Im Rahmen des items-Forum 2026 haben wir die erste Mitgliederversammlung des Jahres abgehalten. Vertreterinnen und Vertreter der Mitgliedsorganisationen aus ganz Deutschland kamen im ATLANTIC Hotel Münster zusammen, um zentrale strategische Themen der digitalen Daseinsvorsorge zu beraten.
Digitale Souveränität als gemeinsamer Schwerpunkt
Im Mittelpunkt der Versammlung standen neben den formalen Beschlüssen insbesondere die Weiterentwicklung der gemeinsamen Aktivitäten zur Stärkung digitaler Souveränität im öffentlichen Sektor.
Die Mitgliederversammlung nahm den Jahresbericht des Vorstands sowie den Jahresabschluss entgegen und erteilte Vorstand und Geschäftsführung Entlastung. Darüber hinaus wurden Sebastian Jurczyk (Stadtwerke Münster) und Olaf Hornfeck (Kassler Verkehrs- und Versorgungs-GmbH) in ihrem Amt als stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Vereins sowie Nils Neusel-Lange (Stadtwerke Bielefeld) als Beisitzender bestätigt. Sebastian Kirchmann (Stadtwerke Schwerte) wurde als Beisitzender neu in den Vorstand des Vereins gewählt. Mit den Wiederwahlen und der Neubesetzung setzt der Verein auf Kontinuität und den weiteren Ausbau seiner Aktivitäten.
Weiterentwicklung von CIVITAS/CORE
Ein besonderer Fokus lag auf den aktuellen Projekten und Arbeitsgruppen des Vereins. Im Zentrum stand dabei die Weiterentwicklung der Open-Source-Datenplattform CIVITAS/CORE, die dem öffentlichen Sektor eine souveräne Nutzung und Steuerung von Daten ermöglicht.
Mit CIVITAS/CORE verfolgt Civitas Connect das Ziel, kommunale Abhängigkeiten von proprietären Plattformen zu reduzieren und eine nachhaltige, gemeinschaftlich getragene Dateninfrastruktur aufzubauen. Der offene, standardbasierte Ansatz soll langfristig die Handlungsfähigkeit von Kommunen im digitalen Raum stärken und steht jedem vollumfänglich zur Nachnutzung zur Verfügung.
Den Vereinsmitgliedern wurden Einblicke in die Arbeit der CIVITAS/CORE-Community gegeben, die als wachsendes Netzwerk die gemeinschaftliche Weiterentwicklung dieser digitalen Infrastruktur vorantreibt. Zudem wurden erste Ansätze zur Integration KI-gestützter Funktionen innerhalb von CIVITAS/CORE vorgestellt. Sie sollen künftig einen sicheren und standardisierten Zugriff von KI-Modellen auf strukturierte Infrastrukturdaten ermöglichen.
Fortschritte in den Arbeitskreisen
Ein weiterer Schwerpunkt der Mitgliederversammlung waren die Fortschritte in den Arbeitskreisen Netzdigitalisierung und Baustellenmanagement. Mit dem Fokus auf Nachnutzbarkeit sollen auf Basis des CIVITAS/CORE Mehrwerte aufgezeigt und gemeinsam entwickelt werden.
Der Arbeitskreis Baustellenmanagement konzentriert sich auf die Verbesserung der Datenverfügbarkeit und -nutzung im Kontext kommunaler Baumaßnahmen, insbesondere im Umgang mit georeferenzierten Daten. Ziel ist es, ein gemeinsames Verständnis über relevante Datenquellen, benötigte Dateninhalte sowie deren Zusammenhänge zu entwickeln und darauf aufbauend standardisierte, interoperable Lösungen zu identifizieren.
Ziel des Arbeitskreises Netzdigitalisierung ist es, die Digitalisierung der Verteilnetze durch ein integriertes und souveränes Datenmanagement nachhaltig zu beschleunigen. Hierzu wird an einem gemeinsamen Verständnis von Daten, Abhängigkeiten und Datenmodellen für das Verteilnetz gearbeitet, das interoperable Schnittstellen, Stammdatensynchronität sowie die Verarbeitung großer Mengen netzrelevanter Messdaten berücksichtigt.
Im Rahmen der Versammlung präsentierten Mitglieder Ergebnisse aus der gemeinsamen Arbeit und formulierten ein Etappenziel zu Ende des Jahres: Auf Grundlage des CIVITAS/CORE soll eine hoch skalierbare Lösung zur Verfügung stehen, mit der Messdaten im Verteilnetz orchestriert und verwaltet werden können. Das betrifft die Messwerte aus den Smart Metern (TAF 7, 9 und 10) sowie den Niederspannungsnetzabgängen. Neben der performanten Anbindung an Steuerungssysteme wie einem Niederspannungsnetzleitsystem, auch im Kontext §14a ENGW, geht es dabei um die Verknüpfung von Stammdaten mit diesen Messwerten. Zusätzlich zur technischen Umsetzung, die im weiteren Jahresverlauf durch Lasttests begleitet werden soll, stehen Skalierbarkeit, technische Planungssicherheit und Wirtschaftlichkeit im Fokus. Herausforderungen ergeben sich dabei aus den hohen Anforderungen an die IT-Infrastruktur. Bereits in mittelgroßen Verteilnetzen müssen mehrere Zehntausend Messwerte pro Minute verarbeitet, gespeichert und langfristig für Analysen, digitale Zwillinge oder Monitoring-Anwendungen verfügbar gemacht werden.
CIVITAS/CORE steht als Open-Source-Projekt lizenzkostenfrei zur Verfügung und wird gemeinschaftlich durch den Verein und dessen Mitglieder gewartet und weiterentwickelt. Die Anforderungen aus dem Bereich der Netzdigitalisierung fließen direkt in die Entwicklung der Plattform ein und werden innerhalb der Entwicklungsgemeinschaft priorisiert. Es entsteht eine offene, nachnutzbare Datendrehscheibe für Verteilnetze, die unabhängig betrieben werden kann und Verteilnetzbetreibern einen souveränen und langfristig wirtschaftlichen Umgang mit ihren Daten ermöglicht. Gleichzeitig sollen Abhängigkeiten von proprietären Systemen reduziert und die digitale Souveränität kritischer Infrastrukturen gestärkt werden.
Zusammenarbeit als Schlüssel der digitalen Transformation
„Die Herausforderungen der digitalen Transformation lassen sich nur gemeinsam bewältigen. Unsere Mitgliederversammlung zeigt einmal mehr, wie wichtig interkommunale Kooperation und offene Technologien für eine zukunftsfähige Daseinsvorsorge sind“, so Ralf Leufkes, Geschäftsführer des Vereins.
Civitas Connect e. V. wird die Ergebnisse der Versammlung in den kommenden Monaten aktiv weiterverfolgen und den Austausch zwischen Kommunen, Politik und kommunaler Wirtschaft weiter intensivieren.
es