KommWPlanPlus-Konsortium trifft sich in Münster
Wie gelingt der Weg von der kommunalen Wärmeplanung in die konkrete Umsetzung? Mit dieser Frage beschäftigt sich das Forschungscluster KommWPlanPlus, das Kommunen, Stadtwerke, Forschung und Praxis zusammenbringt, um die Wärmewende vor Ort zu beschleunigen. Ende Mai trafen sich die Partner des Forschungsprojekts in Münster, um den aktuellen Projektstand zu diskutieren, Zwischenergebnisse aus den Fokusthemen vorzustellen und die nächsten Entwicklungsschritte für die kommunale Wärmeplanung und deren Umsetzung zu koordinieren.
Im Mittelpunkt des Treffens stand die Frage, wie Kommunen die Ergebnisse ihrer kommunalen Wärmeplanung langfristig fortschreiben und für konkrete Umsetzungsprojekte nutzbar machen können. Dabei wurden sowohl organisatorische als auch technische Herausforderungen beleuchtet.
Betreibermodelle und Prozessorganisation im Fokus
Einer der Schwerpunkte des Treffens waren die bisherigen Ergebnisse einer Interviewstudie zu Betreibermodellen für Wärmenetze. Die Untersuchungen zeigen, welche Einflussfaktoren den Handlungsspielraum von Kommunen bei der aktiven Gestaltung von Wärmenetzprojekten bestimmen und welche Strategien sowie Steuerungsinstrumente Kommunen nutzen können, um die Wärmewende vor Ort aktiv mitzugestalten.
Ergänzend wurden Zwischenergebnisse zur Prozessorganisation vorgestellt. Anhand verschiedener Szenarien – von kommunal betriebenen Wärmenetzen über Modelle mit Energieversorgungsunternehmen bis hin zu genossenschaftlichen Ansätzen – wurden Akteure, Rollen, Entscheidungs-prozesse und Herausforderungen analysiert. Eine zentrale Erkenntnis: Eine frühzeitige Kommunikation und die Einbindung relevanter Fachbereiche sind entscheidend für den Erfolg von Wärmenetzprojekten. Daher wird aktuell ein Ansatz entwickelt, der den Austausch zwischen den beteiligten Akteuren bereits zu Projektbeginn strukturiert unterstützt.
Austausch mit dem Open-Source-Projekt F|Heat
Besonders wertvoll war der Austausch mit dem Team des Open-Source-Projekts F|Heat der FH Münster. Das Werkzeug unterstützt Kommunen bei der Analyse und Weiterentwicklung ihrer Wärmeplanung und soll zukünftig noch stärker auf Nutzerfreundlichkeit ausgerichtet werden. Die Vision des Entwicklungsteams: Kommunen sollen möglichst direkt und ohne aufwendige Datenaufbereitung auf relevante Ergebnisse zugreifen können.
Diskutiert wurden außerdem Perspektiven zur Weiterentwicklung von F|Heat. Dazu gehören unter anderem die bundesweite Nutzbarkeit des Werkzeugs, die Integration weiterer Datengrundlagen sowie die automatisierte Zonierung von Eignungsgebieten unter Berücksichtigung verschiedener Rahmenbedingungen wie Wärmedichte, Tiefbaukosten oder Stromnetzrestriktionen.
Für die Projektpartner wurde deutlich, dass F|Heat insbesondere nach Abschluss einer kommunalen Wärmeplanung großes Potenzial für die Fortschreibung und Weiterverwendung der vorhandenen Daten bietet. Gerade Kommunen stehen vor der Herausforderung, die im Rahmen der Wärmeplanung aufgebauten Datenbestände langfristig nutzbar zu halten und für weitere Planungs- und Umsetzungsprozesse einzusetzen.
CIVITAS/CORE, XLeitstelle und F|Heat zusammenbringen
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Diskussion zukünftiger technischer Schnittstellen. Gemeinsam wurde erörtert, wie die Ansätze von F|Heat, der XLeitstelle und der Urbanen Datenplattform CIVITAS/CORE künftig zusammengeführt werden können.
Das langfristige Ziel besteht darin, Wärmeplanungsdaten standardisiert zu speichern, für die Fortschreibung verfügbar zu halten und gleichzeitig für unterschiedliche Werkzeuge und Anwendungen nutzbar zu machen. Anhand konkreter kommunaler Anwendungsfälle soll nun getestet werden, wie Daten aus bestehenden Wärmeplanungen in CIVITAS/CORE integriert, weiterverarbeitet und beispielsweise für Machbarkeitsstudien oder die Zusammenarbeit mit Dienstleistern bereitgestellt werden können.
Insbesondere die Frage, wie Daten aus bestehenden langfristig nutzbar bleiben, wurde von den Teilnehmenden als zentrale Herausforderung für die kommenden Jahre identifiziert.
Neue Themen für die zweite Projektphase
Neben den laufenden Arbeiten wurden auch mögliche neue Fokusthemen diskutiert. Dazu zählen unter anderem:
- die Analyse und Priorisierung von Maßnahmen aus kommunalen Wärmeplänen,
- Ansätze zur Fortschreibung und Qualitätssicherung von Wärmeplänen,
- die Untersuchung von Hemmnissen bei der Maßnahmenumsetzung,
- Fragen des Baustellen- und Infrastrukturmanagements sowie
- regulatorische Herausforderungen für Kommunen und Stadtwerke.
Die Diskussionen machten deutlich, dass die kommunale Wärmeplanung zunehmend von der strategischen Planung in die konkrete Umsetzung übergeht. Damit gewinnen Themen wie Datenmanagement, Kooperation, Fortschreibung und Umsetzungskompetenz weiter an Bedeutung.
Für Civitas Connect bietet das Projekt weiterhin eine wertvolle Plattform, um Erfahrungen aus Kommunen, Stadtwerken, Forschung und Praxis zusammenzuführen und gemeinsam Lösungen für die kommunale Wärmewende zu entwickeln. Der intensive Austausch in Münster hat erneut gezeigt, wie wichtig offene Standards, interoperable Werkzeuge und starke Kooperationen sind, um die Wärmewende vor Ort erfolgreich umzusetzen.