Im Interview: Stadtwerke und Landkreis Osnabrück über ihre innovative IoT-Partnerschaft mit onnecto

Mit der Gründung der Firma onnecto GmbH – einer Kooperationsgesellschaft zur Umsetzung smarter, digitaler Lösungen im Osnabrücker Land, beschreiten Stadtwerke und Landkreis Osnabrück neue Wege der Zusammenarbeit und ebenen den Weg für den Roll-Out von IoT-Technologien im Osnabrücker Land. 

Vor etwa fünf Jahren haben die Stadtwerke in der Stadt Osnabrück ein Funknetz aufgebaut, das heute bereits für zahlreiche smarte Anwendungen genutzt wird. Was hat nun den Landkreis Osnabrück dazu bewogen, gemeinsam mit den Stadtwerken Osnabrück die „onnecto“ ins Leben zu rufen – eine Gesellschaft, die verspricht, das Funknetz in der gesamten Region auszubauen und zu betreiben? 
 
Peter Schone: Für uns war das eine logische Weiterentwicklung unserer Digitalisierungsstrategie im Landkreis Osnabrück. Irgendwann stößt man unweigerlich auf das Thema IoT und die damit verbundenen Möglichkeiten. Wir hatten uns bereits verschiedene Praxisbeispiele aus anderen Bereichen und Kommunen angeschaut. Durch die Ansprache von Herrn Lemme und seinen Kollegen von den Stadtwerken kamen wir auf die Idee, das Thema LoRaWAN für uns zu prüfen. Es wurde schnell klar, dass die Stadtwerke bereits gute Erfahrung in diesem Bereich haben. So sind wir ins Gespräch gekommen und haben festgestellt, dass viele Anwendungsfälle auch für den Landkreis Osnabrück interessant sein können und wir auf das Know-how der Stadtwerke gerade auch im Bereich LoRaWAN Infrastruktur aufbauen können. Insbesondere, weil smarte Infrastrukturen nicht nur für die digitale Weiterentwicklung der Verwaltungsaufgaben zentral sind, sondern weil diese auch als Standortfaktor wirken. 

Wie die Gesellschaft onnecto unter Beweis stellt, ist der Einsatz von IoT-Technologien für Kommunen und Stadtwerke gleichermaßen relevant. Welche zentralen Ziele verfolgen die Stadtwerke einerseits und der Landkreis andererseits mit dem Ausbau entsprechender Infrastrukturen? 

Peter Schone: Ich denke, dass die Zielsetzungen, wenn es um IoT-Anwendungen oder Digitalisierung geht, gar nicht so unterschiedlich sind. Alles, was für die Stadtwerke von Interesse ist – ob Mobilität, Prozesseffizienz oder Lebensqualität – sind auch für uns relevante Themen. Die Stadtwerke und die Stadt Osnabrück wollen ebenso die Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger erhöhen, was auch ein Ziel des Landkreises Osnabrück ist. Unsere Ziele sind also sehr ähnlich. 
 
Ingo Lemme: Wie Herr Schone bereits sagte, sind Lebensqualität und Versorgungssicherheit zentrale Punkte, die wir als Stadtwerke im Fokus haben. Funknetze machen nicht an Stadt- oder Gemeindegrenzen Halt. Wir haben uns vor etwa sechs Jahren dazu entschieden, Vorreiter für Digitalisierungsthemen in dieser Region zu sein. Das bedeutet, dass wir nicht nur die Stadt Osnabrück, sondern natürlich die gesamte Region Osnabrück einbeziehen. Daher war es logisch, mit umliegenden Kommunen und dem Landkreis zu kooperieren, um unsere Kompetenz zu erweitern und eine wichtige Rolle in der Region einzunehmen. 

Die Landrätin Anna Kebschull nennt die Gründung der gemeinsamen Gesellschaft einen „Startschuss für eine bessere Zukunftsfähigkeit. Was haben die Stadtwerke Osnabrück diesbezüglich durch ihre Erfahrungen in der Stadt Osnabrück bereits erreichen können? 
 
Ingo Lemme: Aus städtischer Sicht kann ich bestätigen, dass das Thema IoT ein Treiber für Innovation ist. Stadtwerke und Unternehmen in Osnabrück haben bereits verschiedenste Anwendungsfälle über das LoRaWAN der onnecto umgesetzt. Natürlich kann ein solches Thema eine große Strahlkraft haben und ein Startschuss sein, um sich auch im Landkreis intensiver damit auseinanderzusetzen und das Thema weiterzudenken. Ein typisches Beispiel ist da die sensorbasierte Pegelmessung des Grundwassers. Hierdurch wissen wir jederzeit, wie der Zustand dieser wichtigen Lebensgrundlage ist, was in Anbetracht der intensiven Sommer der letzten Jahre in vielen Regionen ein zukunftsträchtiges Thema ist. Im Bereich nachhaltigen Bewirtschaftung der Ressource Wasser, hat der Landkreis ein großes Förderprojekt (WaMOs) ins Leben gerufen, in dem wir viele Anwendungsfälle der Wasserwirtschaft sowie unsere Erfahrung im Bereich der Datenverarbeitung einbringen und in die Umsetzung bringen können.   

Die onnecto versteht sich als Partner für smarte, digitale Lösungen in Osnabrück und im Osnabrücker Land. Dafür habt ihr eine besondere Form der Kooperation zwischen der BEVOS Beteiligungs- und Vermögensverwaltungsgesellschaft mbH des Landkreises Osnabrück und der Stadtwerke Osnabrück AG gewählt. Welche Vorteile bietet dieser Weg gegenüber der bisherigen Herangehensweise?  
 
Peter Schone: Kooperation bedeutet, dass zwei Organisationen zusammenarbeiten, um ein bestimmtes Thema voranzubringen. Für uns war klar, dass wir den Bereich IoT nicht allein aufbauen wollen. Mit einem erfahrenen Partner wie den Stadtwerken Osnabrück können wir Synergieeffekte nutzen und schneller in die Umsetzung gehen. Es geht darum, Ressourcen und Wissen zu bündeln, um gemeinsam erfolgreich zu sein. 

Ingo Lemme: Wir bringen unterschiedliche Stärken in die Gesellschaft ein. Die Stadtwerke haben ihre Kompetenz im Bereich IoT und technische Infrastruktur, während der Landkreis regional gut vernetzt ist und organisatorische Expertise mitbringt. Diese Kombination ermöglicht es uns, effektiv zu arbeiten und voneinander zu profitieren. 

Während die Stadtwerke Osnabrück mit ihren bisherigen Aktivitäten in der Stadt Osnabrück vor allem den dichter besiedelten Raum in den Blick genommen haben, wird die onnecto künftig auch in ländlicheren Gebieten im Landkreis tätig sein. Was sind die Unterschiede zwischen städtischem und ländlichem Raum, die dabei berücksichtigt werden müssen? 

Ingo Lemme: Wenn es um Funknetzausbau geht, macht es unter technischen Gesichtspunkten sicherlich einen Unterschied, ob man sich im dicht oder niedrig besiedelten Raum befindet. Größere Waldgebiete im Landkreis sind da beispielsweise eine natürliche Herausforderung. Gleichzeitig gibt es natürlich auch im Landkreis dichter besiedelte Räume. Aufgrund der Heterogenität braucht man also differenzierte Herangehensweisen. Wir haben da gute Fachleute, die uns bei diesen spezifischen Herausforderungen unterstützen und begleiten. Was die konkreten Anwendungsfälle anbelangt, stehen im städtischen Bereich derzeit Verkehr, Umweltdaten und Monitoring der Versorgungsnetze im Fokus, während im ländlichen Raum auch Anforderungen wie Grundwasserbedarf, Bodenfeuchte aber auch Ressourcenmanagement in der Landwirtschaft relevant sind.  

Kooperationen zwischen Stadtwerken und Gebietskörperschaften haben den Ruf, rechtlich und organisatorisch nicht immer unkompliziert zu sein. Hand aufs Herz: Wie mühselig war es, ein Konstrukt wie die onnecto zu realisieren und was waren eurer Meinung nach die Erfolgsfaktoren?  

Peter Schone: Es ist immer eine Herausforderung, eine Kooperationsgesellschaft zu gründen – Egal zwischen welchen Partnern. Da sind Stadtwerke und Gebietskörperschaften gar nicht mal ein Sonderfall. Es braucht Zeit, bis alle organisatorischen und rechtlichen Fragen geklärt sind. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor in diesem Fall war, dass die Vorstände von Landkreis, Stadt und Stadtwerken stark hinter dem Projekt standen.  

Wer sind genau die „Kundinnen und Kunden“ der onnecto – Nur der Landkreis oder können auch andere Akteure auf die Leistungen zugreifen. Welche Aufgaben übernimmt die onnecto für ihre Kundschaft? 
 
Ingo Lemme: Das Netz der onnecto ist ein öffentliches Telekommunikationsnetz und steht daher nicht nur den Gesellschaftern zur Verfügung. Auch Unternehmen in der Region können es nutzen, um Anwendungsfälle über das LoRaWAN-Netz im Bereich IoT umzusetzen. Die onnecto bietet ihre Dienstleistungen offen für alle an, die diese Technologie oder Infrastruktur benötigen. Es gibt auch schon erste Kunden, die das für sich nutzen. 

Das Osnabrücker Land zu einer smarten Region weiterzuentwickeln, klingt erstmal nach einem ambitionierten Ziel. Was sind die konkreten nächsten/ersten Schritte, die mit der frisch ins Leben gerufenen Gesellschaft nun angegangen werden sollen?  

Peter Schone: Zunächst ist die flächendeckende Grundversorgung mit einem entsprechenden Funknetz im gesamten Landkreis Osnabrück geplant. Parallel dazu starten wir verschiedene Anwendungsfälle und Projekte, zum Beispiel die Anbindung von Liegenschaften des Landkreises an das LoRaWAN-Netz, um Zählerstände digital zu erfassen. Das spart Zeit und Ressourcen. Außerdem hilft es bei den Nachhaltigkeitsberichten, die Kommunen zukünftig anfertigen müssen. 

Ingo Lemme: Wir beschäftigen uns auch mit dem klassischen Unternehmens- und Markenaufbau. Das ist für uns ein wichtiger Baustein, um als zukunftsgerichtetes Unternehmen präsent zu werden und auch ein gewisses Standing in der Region zu entwickeln. Wir schließen hierzu auch Kooperationen mit Partnern in der Region, um unsere Gesellschaft und Dienstleistungen bekannter zu machen. Dabei geht es nicht nur um potenzielle Kundschaft, sondern auch um Kooperationen mit anderen Akteuren. Besonders in Bereichen, wo nur geringe Kompetenzen vorhanden sind oder andere Unternehmen ein stärkeres Portfolio haben, sind strategische Partnerschaften ein wichtiger Baustein, denn sie helfen uns, unseren Kunden Lösungen schnell und in höherer Qualität anzubieten.

Vielen Dank für Ihre Zeit! 

Kommunale Wärmeplanung – Interview mit Max Gierkink, Referent Unternehmensentwicklung Stadtwerke Wuppertal

Bis 2045 soll die Energieversorgung in Deutschland im Wesentlichen klimaneutral erfolgen. Dieses Ziel kann nur erreicht werden, wenn auch die Wärmeversorgung transformiert wird. Was sind für Sie aktuell die größten Hürden der Wärmewende und was kann die Kommunale Wärmeplanung in diesem Zusammenhang leisten?

Die Wärmewende ist eine enorme Herausforderung, da die Umstellung auf erneuerbare Energien im Wärmesektor aufgrund der Vielzahl an Gebäuden mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen erheblich komplexer ist als im Strombereich. In Deutschland gibt es fast 20 Millionen Wohngebäude, wobei über 75 % der Heizungen mit fossilem Öl und Gas betrieben werden. Diese Zahlen verdeutlichen den enormen Transformationsbedarf im Wärmesektor.

In diesem Kontext ist die Kommunale Wärmeplanung ein zentrales Instrument, um die langfristige Umstellung auf erneuerbare Energien oder unvermeidbare Abwärme zu gewährleisten. Sie kann Klarheit darüber schaffen, welche Heiztechnologien in den jeweiligen Gebieten am besten geeignet sind. Durch einen transparenten Bewertungsansatz und die Einbindung der Öffentlichkeit wird zudem Akzeptanz für die identifizierten Technologielösungen geschaffen.

Bekanntermaßen sind die kommunalen Versorger zentrale Akteure, wenn es darum geht, die Wärme- bzw. Energiewende vor Ort voranzutreiben. Wo siehst du die Rolle der Stadtwerke im Prozess der kommunalen Wärmeplanung bzw. welche Rolle würdest du dir wünschen?

Stadtwerke sind ein wichtiger Akteur bei der Kommunalen Wärmeplanung und wir wünschen uns dementsprechend eine zentrale Rolle bei der Durchführung. Die Stadt sucht aktuell im Rahmen einer Ausschreibung geeignete Dienstleister und wir haben uns gemeinsam mit zwei Dienstleistern beworben.

Unsere Partner bringen umfangreiche Fachexpertise in der Energie- und Infrastrukturplanung sowie in der Akteursbeteiligung und Öffentlichkeitsarbeit mit. Wir selbst verfügen über tiefgehendes technisches und regionales Wissen im Bereich der Energieversorgung, bei Wärmenetzen sowie erneuerbaren Energielösungen. Darüber hinaus haben wir ein ausgeprägtes Netzwerk von Stakeholdern und Akteuren in Wuppertal. Auf diese Weise wollen wir eine effiziente Durchführung und eine realistische Umsetzungsplanung bei der Kommunalen Wärmeplanung sicherstellen.

Ein Beispiel dafür ist die steigende Bedeutung der Wärmenetze. Aktuell versorgen wir etwa 7 % der Bevölkerung von Wuppertal mit Fernwärme und haben bereits viele Ideen und Vorschläge für den Ausbau der Nah- und Fernwärme in Wuppertal.

Die kommunale Wärmeplanung stellt die meisten Kommunen vor neuartige Aufgaben, für die es noch wenig Musterbeispiele bzw. längerfristige Erfahrungen gibt. Gerade die spätere Verbindung mit der Umsetzungsplanung auf Detailebene birgt noch viele offene Fragen. Wo siehst du die größten Herausforderungen im Zusammenhang mit der Vorbereitung, Erstellung und Umsetzung der kommunalen Wärmeplanung?

Die kommunale Wärmeplanung steht vor zahlreichen Herausforderungen, von denen hier nur einige genannt sind. Bei der Vorbereitung ist die Beschaffung einer Vielzahl von Daten entscheidend, darunter Informationen zum Alter und zu den Energieträgern der Heizungen, zu den Wärmebedarfen sowie zu den Potenzialen für erneuerbare Energien wie beispielsweise der Geothermie. Hier bereiten wir uns bereits intensiv auf den Projektstart vor.

Für die Erstellung der Planung ist eine umfassende Beteiligung zentraler Akteure aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft erforderlich, um nicht nur die große Betroffenheit der Bevölkerung angemessen zu berücksichtigen, sondern auch viele wichtige Informationen über die lokalen Gegebenheiten in die Wärmeplanung einzubeziehen.

Die Umsetzung der Planung steht vor erheblichen Herausforderungen. Es besteht ein hoher Investitionsbedarf, sowohl für Privathaushalte in Form von Maßnahmen wie Wärmepumpen und Gebäudesanierung als auch für die Entwicklung neuer Wärmenetze. Aus meiner Sicht ist beispielsweise die derzeitige Ausgestaltung der Bundesförderung für effiziente Wärmenetze nicht ausreichend. Zudem mangelt es in vielen Bereichen an Fachkräften und spezialisierten Unternehmen, was beispielsweise beim Tiefbau zu Verzögerungen und höheren Kosten führt.

Insgesamt ist der Zeitplan für die Umsetzung bis 2045 sehr ambitioniert und erfordert eine reibungslose Koordination aller beteiligten Parteien.  

Mit dem KommWPlanPlus-Projekt sollen die Potenziale der kommunalen Wärmeplanung für eine abgestimmte Wärmewende vor Ort gehoben werden. Welche konkreten Erwartungen bzw. Kernanliegen verbindet die WSW mit der Teilnahme am Verbundprojekt?

Ich bin sehr gespannt auf das Projekt, da es sich auf die Verzahnung von kommunaler Wärmeplanung mit Umsetzungsstrategien konzentriert. An den Standorten Hagen, Wuppertal und Garbsen werden die Wärmeplanungen begleitet, ausgewertet und innovative Konzepte sowie neue Methoden erprobt.

Besonders wichtig ist mir die Förderung der Zusammenarbeit zwischen lokalen Akteuren und die gemeinsame Fortentwicklung hin zu klimaneutralen Kommunen. So wollen wir weitere Kommunen inspirieren und die Wärmeplanung in Deutschland vorantreiben.

Der Austausch mit den anderen Kommunen sowie die wissenschaftliche Unterstützung spielen hierbei eine entscheidende Rolle.

Die Arbeit in einem wissenschaftlichen Förderprojekt unterscheidet sich sicherlich in vielen Punkten von der alltäglichen Arbeit in einem Versorgungsunternehmen. Was war deine persönliche Motivation, am Projekt mitzuwirken?

Das Projekt unterscheidet sich in sehr von meiner jetzigen Arbeit. Allerdings war ich bis Juni 2023 beim Energiewirtschaftlichen Institut an der Universität zu Köln beschäftigt und habe daher viele Erfahrungen mit wissenschaftlichen Förderprojekten gesammelt. Das Projekt ist im Grunde die perfekte Symbiose meiner alten und neuen Tätigkeit.  

Vielen Dank für das nette Gespräch!

Verbundvorhaben „KommWPlanPlus“ zur integralen Umsetzung der Kommunalen Wärmeplanung gestartet

Dass die kommunale Wärmeplanung als neue Planungsinstrument künftig für Kommunen und Stadtwerke gleichermaßen eine zentrale Rolle bei der Transformation der lokalen Wärmeversorgung spielen wird, steht außer Zweifel. Wie sich die „abstrakten“ Wärmepläne jedoch in konkrete Detailplanungen und sektorübergreifende Umsetzungsmaßnahmen übersetzen lassen, ist alles andere als eindeutig.

Civitas Mitglieder als Verbundpartner

In dem frisch gestarteten Verbundvorhaben forschen seit Anfang 2024 die Civitas Connect Mitglieder Items GmbH & Co. KG, WSW Wuppertaler Stadtwerke GmbH, Stadt Wuppertal, Enervie Service GmbH, Stadt Hagen, Stadtwerke Garbsen GmbH gemeinsam mit der Stadt Garbsen, dem Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik Umsicht sowie Civitas Connect e. V. als Netzwerkpartner an Instrumenten für eine sektorenübergreifende kommunale Wärmewende.

Der Schritt von der Planung zur Umsetzung steht im Mittelpunkt

Ziel des Projektes ist eine Verknüpfung von kommunaler Wärmeplanung mit der Umsetzungsplanung von integralen Maßnahmen im Quartier. Gemeinsam untersuchen die Partner, wie die kommunale Wärmeplanung als langfristige Planungsaufgabe organisatorisch und technisch verstetigt und mit Blick auf sich ändernde Anforderungen in Richtung einer integrierten Umsetzungsplanung weiterentwickelt werden kann.

Praktische Umsetzung an Praxisstandorten

Das Besondere: In Wuppertal, Hagen und Garbsen laufen parallel zum Projekt kommunale Wärmeplanungen, sodass die praktischen Arbeiten die wissenschaftlichen Arbeiten flankieren. In einem ersten Schritt werden Grundlagen der integralen Konzeptentwicklung und -bewertung erarbeitet. Dabei spielen Erfahrungen aus Umsetzungsprojekten an den drei Standorten eine große Rolle. „Wenn ein Stadtwerk plant, die Wärme- und Stromversorgung in einem Quartier neu zu gestalten, wird dieses Projekt bei der Wärmeplanung mitgedacht“, nennt Dr. Anne Hagemeier von Fraunhofer Umsicht ein Beispiel. „Wie wirkt sich die Wärmeplanung auf Stromlösungen und -netze aus? Wo lassen sich Verknüpfungen herstellen?“

Ein weiterer Fokus des Vorhabens liegt auf Methoden und Werkzeugen zur Integration der Ergebnisse aus der eher strategisch gelagerten kommunalen Wärmeplanung in eine integrierte Umsetzungsplanung auf Ebene von Fach- und Detailplanung. Ihre Entwicklung wird ebenfalls in enger Abstimmung mit den drei Praxisstandorten vorgenommen, um sowohl Anwendbarkeit und Übertragbarkeit als auch Verstetigung und Fortschreibung zu gewährleisten. Hagemeier: „Die von uns entwickelten und ausgewählten Formate sollen dazu beitragen, dass die kommunale Wärmeplanung verstärkt in die Umsetzung kommt, als wichtiges integrales Planungswerkzeug weiterentwickelt und auch verstetigt wird. Dafür steht das Plus im Namen unseres Vorhabens.“

Umfassender Wissenstransfer wird angestrebt

Um die Ergebnisse des Vorhabens auch anderen Kommunen zur Verfügung zu stellen, schlagen die Partner unterschiedliche Wege ein. Zum Beispiel wollen sie eine Veranstaltungsreihe mit dem Titel „Komm.InFahrt“ initiieren. Zielsetzung: eine akteursgerechte Ansprache von Kommunen, um sie für die anstehenden Aufgaben im Umfeld der kommunalen Energiewende zu befähigen und die Umsetzung der kommunalen Wärmeplanung zu beschleunigen. Dabei soll auch ein Leitfaden unterstützen, in dem zentrale Ergebnisse von „KommWPlanPlus“ praxisgerecht aufbereitet werden.

Förderhinweis

Das Verbundvorhaben „KommWPlanPlus – Forschungs- und Entwicklungscluster zur Verknüpfung von kommunaler Wärmeplanung mit der Umsetzungsplanung von integralen Maßnahmen im Quartier“ wird im Rahmen von „EnEff:Stadt“ vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz gefördert. Projektträger ist die Forschungszentrum Jülich GmbH.

CIVITAS/CORE – Eine Open Source Plattformentwicklung bei Civitas Connect e. V.

Acht Civitas-Mitglieder haben vor einigen Monaten ihre Ressourcen gebündelt, um gemeinsam eine Technologie für eine urbane Datenplattform zu entwickeln. Ziel der Software ist es, den komplexen Anforderungen an Datenhaltung und -management aus Sicht der Stadtwerke und Kommunen gerecht zu werden.

Warum ist das wichtig und was genau ist eine Datenplattform?

Eine urbane Datenplattform (UDP) ist eine Software, die an einer zentralen Stelle der kommunalen Infrastruktur verortet ist. In einer UDP laufen Daten aus den unterschiedlichsten kommunalen Bereichen zusammen: Mobilitätsdaten, Umweltdaten, Energiedaten, Statistikdaten u. v. m. Sie ermöglicht die breite Verfügbarkeit der Daten für Zugriffsberechtigte. Das können etwa das Verkehrsamt, das Umweltamt, die Stadtwerke und nicht zuletzt die Bürgerinnen und Bürger bei sogenannten offenen Daten („Open Data“) sein.

Eine UDP ist also eine Datendrehscheibe, die es unterschiedlichsten Akteuren in der Stadtgesellschaft ermöglicht, Daten zu nutzen und damit Wertschöpfung zu betreiben. Beispiele dafür sind unter anderem Parkleitsysteme, Baustellenmanagement, Stadtplanung, Hochwasserschutz, Bürgerpartizipation, Kita-Belegung, Energiemanagement und kommunale Wärmeplanung.

In einer vereinsinternen Entwicklungsgemeinschaft, der CIVITAS/CORE Community, konzipieren und entwickeln aktuell acht Mitglieder wesentliche Bausteine für eine UDP, die im Gegensatz zu viele existierenden Lösungen von der öffentlichen Hand für die öffentliche Hand entwickelt wird und keine Abhängigkeiten zu privaten Dienstleistern mit sich bringt.

Mehr Informationen dazu finden sich in einem neuen Bereich auf der Vereinswebsite.

Anfragen rund um das Thema CIVITAS/CORE sind jederzeit unter m.renner@civitasconnect.digital willkommen.

CIVITAS/CORE – Interview mit Lisa Schaumburg, stellv. Gesamtprojektleitung Smart City Kassel

Hinter der CORE/COMMUNITY bei Civitas Connect e. V. stehen Städte und Stadtwerke, die sich zum Ziel gesetzt haben, in den nächsten Monaten gemeinsam den Kern einer interoperablen, kommunalen Datenplattform als Open-Source-Software zu entwickeln und langfristig gemeinschaftlich zu pflegen und weiterzuentwickeln. Mit dabei: die Stadt Kassel und die Kasseler Verkehrs- und Versorgungs-GmbH. Die stellv. Gesamtprojektleitung Smart City Kassel Lisa Schaumburg erzählt, was es damit auf sich hat:

Welche Rolle spielt aktuell das Thema Datenplattform bei euch und welche Ziele verfolgt ihr mit eurem Vorgehen?

Die urbane Datenplattform ist die Grundlage für unsere datenbasierten Smart City-Maßnahmen. Sie ist damit existenziell. Bereits zu Beginn unseres Smart City-Prozesses haben wir mit einzelnen Komponenten eine kleine Open-Source-Plattform aufgebaut, die unsere Sensordaten vernetzt. Dies war nur der Anfang, denn unser Ziel ist die Schaffung einer Datendrehscheibe, die unterschiedlichste Datensammlungen in der Stadt verbindet und neue Anwendungsmöglichkeiten schafft.

Ihr könntet das Thema auch eigenständig angehen. Warum engagiert ihr euch in der CIVITAS/CORE Community?


„Die Entwicklungsgemeinschaft, also die CIVITAS/CORE Community, erfüllt genau diesen Anspruch – gemeinsam denken, gemeinsam entwickeln, gemeinsam weitergehen.“

– Lisa Schaumburg, stellv. Gesamtprojektleitung Smart City Kassel

Wir sind überzeugt, dass Insellösungen keine nachhaltigen Mehrwerte bieten. Daten kennen weder Unternehmens- noch Stadtgrenzen. Daher werden Standards benötigt, die einen möglichst einfachen und reibungslosen Datenaustausch innerhalb der Stadt, aber auch interkommunal ermöglichen. Die Entwicklungsgemeinschaft, also die CIVITAS/CORE Community, erfüllt genau diesen Anspruch – gemeinsam denken, gemeinsam entwickeln, gemeinsam weitergehen.

Wie geht es bei euch mit CIVITAS/CORE weiter?

Im kommenden Jahr werden wir die Version 2 des CIVITAS/CORE in unsere Systeme integrieren. Wenn das erledigt ist, denken wir gemeinsam weiter. Wir werden uns dauerhaft in der CIVITAS/CORE Community engagieren, denn Datenplattformen und Technologien entwickeln sich kontinuierlich fort und alle Kommunen werden vor ähnlichen Herausforderungen stehen. Die Lösungen auch in Zukunft interkommunal anzugehen, ist unser Ziel.

Vielen Dank für das nette Interview!

Neuzugänge und Bestätigungen im Civitas Connect Vorstand: Eine erfolgreiche Mitgliederversammlung 

Am 15. Mai 2024 fand die diesjährige Mitgliederversammlung von Civitas Connect statt, bei der wichtige personelle Entscheidungen getroffen und zukunftsweisende Themen diskutiert wurden. Die Versammlung war geprägt von konstruktiven Gesprächen und Beschlüssen, die die strategische Ausrichtung des Vereins weiter festigen. 

Neubesetzungen im Vorstand 

Besonders hervorzuheben ist die Begrüßung zweier neuer Mitglieder im Vorstand: Diana Rauhut, Vorständin der Mainova AG und Olaf Hermes, Vorsitzender der Geschäftsführung der Stadtwerke Bonn. Beide bringen wertvolle Erfahrungen und frische Perspektiven mit, die für die Weiterentwicklung von Civitas Connect von großer Bedeutung sein werden. Ihre Expertise wird dem Vorstand helfen, die vielfältigen Herausforderungen der Zukunft zu meistern und neue Impulse für die Arbeit des Vereins zu setzen. 

Wiederwahl aktueller Vorstandsmitglieder 

Neben den Neuzugängen wurden folgende Vorstandsmitglieder in ihrem Amt bestätigt und wiedergewählt: Tobias Koch (SWTE Netz), Ulrich K. Butterschlot (Stadtwerke Warendorf), Karl-Heinz Siekhaus (LokalWerke) und Ludger Hemker (items). Ihre Wiederwahl ist ein Zeichen der Kontinuität und Stabilität, die für die nachhaltige Entwicklung des Vereins essenziell ist. 

Themenschwerpunkte der Versammlung 

Abseits der personellen Entscheidungen standen auch aktuelle Themen und zukünftige Aufgaben auf der Tagesordnung. Ein zentrales Thema war die kommunale Wärmeplanung, ein Bereich, der angesichts der Transformation der Energie- und Wärmeversorgung und der Notwendigkeit nachhaltiger Lösungen immer mehr an Bedeutung gewinnt. Begleitet werden diese Aktivitäten in den kommenden vier Jahren durch ein Förderprojekt, in dem einige Civitas Connect Mitglieder an der nachhaltigen Umsetzung der kommunalen Wärmeplanung und den daran anknüpfenden Maßnahmen zur Integration in die bestehenden Prozesse, arbeiten. 

Ein weiteres wichtiges Thema war #CIVITAS/CORE, die Entwicklung einer zentralen Datenplattform, die Open Source zur Verfügung gestellt wird. Das Projekt ist in der zukünftigen Ausrichtung und für die strategischen Ziele von Civitas Connect von großer Relevanz, da es ein zentraler Softwarebaustein für die eigene Datensouveränität ist. Mit Blick auf den steigenden Einsatz von KI-basierten Anwendungen in den Fachbereichen waren sich alle Mitglieder einig, dass die eigene Datensouveränität absolut notwendig ist. 

Allen Mitgliedern soll außerdem bei der für sie passenden strategischen Ausrichtung und organisatorischen Verankerung des Geschäfts- und Themenfeldes IoT geholfen werden. Dazu wird aktuell zum einen ein Strategiepapier erstellt, welches durch die notwendigen Entscheidungen leiten soll. Zum anderen wird eine umfangreiche Sammlung und Beschreibung von bereits umgesetzten IoT-Anwendungsfällen der Mitglieder entstehen. 

„Civitas Connect und die Bundesstadt Bonn verbindet mit den Stadtwerken eine lange und enge Zusammenarbeit in Projekten für eine nachhaltige und digitale Stadt, nicht zuletzt ganz aktuell in der kommunalen Wärmeplanung und schon länger in der Verkehrssteuerung oder im Smart Parking. All diesen Themenfeldern liegen digitale Daten zugrunde, mit denen wir sehr gute Ergebnisse erzielen. Gemeinsam arbeiten wir daran, Bonn klimaneutral und noch lebenswerter zu machen“ ordnet Hermes aktuelle Bezüge zu seinem neuen Amt ein. 

„Für den tiefgreifenden Wandel hin zu einer nachhaltigen und lebenswerten Welt, benötigen wir auch technische Innovationen und intelligente Lösungen für Städte und Regionen. Dafür setzen sich 51 kommunale Unternehmen und Städte bei Civitas Connect ein, die ich dabei als Vorständin ab sofort unterstützen darf. Darauf freue ich mich sehr. Denn die komplexen Aufgaben für ein lebenswertes Morgen lassen sich am besten gemeinsam in einem partnerschaftlichen Format meistern. Bei Mainova haben wir bereits wertvolle Erfahrungen mit intelligenten Smart-City-Lösungen gesammelt. In Frankfurt bildet unser stadtweites LoRaWAN samt 8.000 Sensoren das digitale Rückgrat für bereits umgesetzte smarte Technologien wie Umweltmonitoring, Parkraummanagement oder intelligente Bewässerung von Stadtbäumen. Mit übergreifenden Partnerschaften erweitern wir unsere Aktivitäten über die Region hinaus und bringen dabei einen wichtigen Baustein ein: Unsere ausgezeichnete Smart-City-Plattform vereint verschiedene App-Lösungen für Kommunen, Energieversorger und Unternehmen. Das ermöglicht die Digitalisierung kommunaler Aufgaben sowie die Fernüberwachung von Infrastruktur.“ so Diana Rauhut, Vorstandsmitglied Civitas Connect e.V., Vorständin Vertrieb, Energiedienstleistungen und Digitalisierung bei der Mainova AG. 

Ausblick 

Die Mitgliederversammlung von Civitas Connect hat eindrucksvoll gezeigt, wie wichtig der gemeinsame Austausch und die kollektive Entscheidungsfindung für die erfolgreiche Arbeit des Vereins sind. Mit der Verstärkung durch Diana Rauhut und Olaf Hermes sowie der Bestätigung der Vorstandsmitglieder ist Civitas Connect gut aufgestellt, um die bevorstehenden Aufgaben anzugehen und die gesteckten Ziele zu erreichen. 

Die nächsten Monate werden im Zeichen der Umsetzung der besprochenen Projekte und Initiativen stehen. Das Geschäftsmodell IoT, die kommunale Wärmeplanung und die Entwicklung der #CIVITAS/CORE Plattform werden dabei zentrale Rollen spielen. Die Mitglieder und der Vorstand sind sich einig, dass sie diese Herausforderungen nur gemeinsam meistern und die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft stellen können. 

Mit dieser positiven und zukunftsorientierten Einstellung blickt Civitas Connect in die kommenden Monate und freut sich darauf, die geplanten Projekte in die Tat umzusetzen und weiterhin einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung der kommunalen Infrastruktur und zur Förderung nachhaltiger Lösungen zu leisten. Die nächste Mitgliederversammlung, welche im Rahmen der CIVI/CON am 29.08.2024 stattfinden wird, ist bereits terminiert.